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Robuste Stahlentwicklungen mit Risikofaktoren
9 Mrz 2012 | Keine Kommentare | posted by admin | in News zur Veranstaltung, Presseberichte
Ergebnisse der 16. Handelsblatt Jahrestagung „Stahlmarkt 2012“ (6./7. März 2012, Düsseldorf)
Düsseldorf, März 2012. „Der deutsche Stahlmarkt bleibt ein Stabilitätsanker in der Europäischen Union“, stellte der Präsident der Wirtschaftsvereinigung Stahl, Hans Jürgen Kerkhoff, zum Auftakt der 16. Handelsblatt Jahrestagung „Stahlmarkt 2012“ am 6. März 2012 in Düsseldorf fest. Neben der deutschen Stahlkonjunktur standen die Entwicklungen auf den internationalen Stahlmärkten sowie die Herausforderungen der energieintensiven Industrien durch die europäischen Klimaschutzauflagen im Fokus der Diskussionen der rund 200 Teilnehmer der etablierten Stahltagung.
Da die deutsche Rohstahlproduktion im Januar im Vergleich zum Dezember im Plus war und die Bestellungen im Januar mit 3,8 Millionen Tonnen auf das höchste Niveau seit März 2010 angestiegen seien, zeigte sich der Präsident der Wirtschaftsvereinigung optimistisch, dass sich die Stahlkonjunktur in Deutschland stabilisiert habe. „Befürchtungen, es könne eine ähnliche Krise wie im Winterhalbjahr 2008/2009 eintreten, haben sich nicht bestätigt“, sagte er. Allerdings hätte die Zuspitzung der Euro-Staatsschuldenkrise erhebliche Bremsspuren in der zweiten Jahreshälfte 2011 hinterlassen. Die aktuell positive Entwicklung sei durch den Lagerzyklus getrieben und zeige ein neues Kontinuum der Lagerbewegung, so Kerkhoff. Ausgehend von den Entwicklungen auf den Rohstoffmärkten und der Finanzmarktkrise werde der Markt immer mehr über den Distributionssektor versorgt. Insgesamt sei die Stahlkonjunktur so immer volatiler und schwerer zu prognostizieren. Vor dem Hintergrund der vorhergesagten Produktionsanstiege bzw. des Umsatzes in der Automobilindustrie, in der Stahl- und Metallverarbeitung sowie in der Bauindustrie und im Maschinen- und Anlagenbau erwarte die Wirtschaftsvereinigung für 2012 eine robuste Stahlnachfrage. „Bei der Rohstahlproduktion dürfte das hohe Niveau des Vorjahres von 44,3 Millionen Tonnen gehalten werden“, sagte Kerkhoff.
Wettbewerbsintensität nimmt zu
Die stabile Entwicklung in Deutschland dürfe aber nicht über die bestehenden Risiken für den europäischen Wirtschafts- und Währungsraum hinwegtäuschen, warnte der Präsident. Die Euro-Schuldenkrise und die Instabilität der Finanzmärkte markierten potenzielle Bruchstellen auch für das deutsche Konjunkturbild. Auch wenn die Stahlnachfrage in der EU nach jüngsten Einschätzungen nur moderat zurückgehen würde, bereiteten Italien und Spanien Sorge. Vor diesem Hintergrund sei mit einem stärkeren innereuropäischen Wettbewerb zu rechnen. Gleichzeitig bleibe die Wettbewerbsintensität auf den globalen Stahlmärkten hoch, da sich die Überkapazitäten in China nur langsam zurückbildeten und der WTO-Beitritt Russlands für erhöhte russische Stahlexporte sorgen werde.
Stahlrohstoffe verteuern sich weiter
Zentraler Risikofaktor für die Stahlmärkte bleibe weiterhin die Rohstoffversorgung. Insbesondere für die Stahlrohstoffe Eisenerz und Kokskohle sei wegen der zunehmenden Vermachtung im Bergbau nicht mit einer Entspannung zu rechnen, auch wenn sich die konjunkturelle Lage abschwäche. Kerkhoff erinnerte daran, dass sich die Stahlrohstoffe seit 2003 auf Euro-Basis mehr als vervierfacht hätten und eine enorme Kostenbelastung für die Stahlindustrie darstellen.
CO2-Handel benachteiligt europäische Stahlhersteller
Eine weitere Bedrohung für die Stahlwirtschaft sei die europäische und deutsche Energie- und Klimapolitik, führte Kerkhoff weiter aus. „Angesichts aller Maßnahmen, die durch energie- und klimapolitische Regelungen in Deutschland und Europa auf die Stahlindustrie zukommen, drohen Zusatzkosten von 1 bis 1,5 Milliarden Euro pro Jahr“, betonte er. Das größte Problem seien die von der EU-Kommission festgelegten Benchmarks für 2013, die bis zu zehn Prozent unter den Emissionen der effizientesten Anlagen in der EU lägen und technisch nicht erreichbar seien. Da es der EU-Kommission nicht gelungen sei, den Emissionshandel als globales Instrument für den Klimaschutz in der Welt zu etablieren, stelle der CO2-Handel für europäische Unternehmen ein massives Wettbewerbsproblem gegenüber außereuropäischen Standorten dar.
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